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Positive Organisationen - Durch erfüllte Mitarbeitende zum starken Unternehmen

In diesem Blog lesen Sie...

...welche Belege es für den Zusammenhang zwischen erfüllten oder glücklichen Mitarbeitenden und dem Unternehmenserfolg gibt.

...woran Sie erkennen, dass Sie sich um das Glück Ihrer Mitarbeitenden kümmern sollten.

...was eine positive Organisation ist.

...welche Handlungsfelder es auf dem Weg zur positiven Organisation gibt.

 

 

Die Effekte von glücklichen Mitarbeitenden - Eine gut erforschte Selbstverständlichkeit?

«Ja, aber das ist doch selbstverständlich, oder?» antwortete neulich meine Gesprächspartnerin, als ich erklärte, dass die wissenschaftlichen Belege für den Zusammenhang zwischen glücklichen Mitarbeitenden und Unternehmenserfolg überwältigend sind. Und sie hat recht. Es ist eigentlich wenig überraschend, dass glückliche Mitarbeitende bessere Arbeit leisten, gesünder und loyaler und somit positiv für den Unternehmenserfolg sind.

Studien zeigen unter anderem auf:

  • Glückliche Mitarbeitende führen zu 31% höherer Produktivität, 37% höheren Verkäufen und 3x mehr Kreativität (Metastudie: Lyubomirsky, King & Diener, 2005).Kundenbindung und Kundenzufriedenheit hängen in hohem Masse mit dem subjektiven Wohlbefinden der Mitarbeitenden zusammen (Buckingham & Clifton, 2001; Johnson & Gustaffson, 2000).
  •  Die interne Service Qualität - sprich die internen Arbeitsbedingungen- hat einen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Zufriedene Mitarbeitende sind produktiver und loyaler gegenüber dem Unternehmen und erbringen hohe Servicequalität für die Kunden. Die Kunden wiederum sind dadurch zufriedener und auch loyaler gegenüber dem Unternehmen, was schlussendlich zu höherem Profit und höheren Gewinnen fürs Unternehmen führt (Heskett, Sasser & Schlesinger, 1997; erneut belegt in Hogreve et al. 2017).
  • Unternehmen mit einer mitarbeiterfreundlichen Kultur werden höher bewertet und performen besser im Hinblick auf ROA & ROE (Fauver, McDonald & Taboada, 2018)
  • Das Engagement der Mitarbeitenden bei IBM kann 2/3 der Kundenerfahrungen erklären. Die Steigerung der Zufriedenheit eines Kunden um 5 Punkte erhöht den Umsatz im Schnitt um 20% (IBM Fallstudie im Harvard Business Manager Juni 2018).

Es gibt einige Beispiele von erfolgreichen Managern, die nach dieser Maxime ihr Unternehmen führen. So sagt z.B. Business Magnat Richard Branson „Clients do not come first, employee come first. If you take care of your employees they will take care of the clients“. Ein weiteres Beispiel aus dem deutschen Sprachraum ist Bodo Janssen, welcher einen mutigen Kulturwandel initiiert hat, hin zu seiner Vision von einem menschenorientierten Unternehmen mit glücklichen Mitarbeitenden. Er schreibt in seinem Buch: „Wir Manager haben immer das Gefühl, wir müssten uns um die Ergebnisse kümmern. Meine Erfahrung besagt: Die Ergebnisse kümmern sich um sich selbst, wenn wir uns um die Menschen kümmern. Wenn unsere Angestellten das tun können, was sie gerne und gut tun, wenn sie in Balance sind und ihre Arbeit als sinnvoll erleben, dann sind sie ein Geschenk für jeden Kunden.“ Gemeinsam ist all diesen Ergebnissen eine zentrale Erkenntnis (Abbildung 1, in Anlehnung an Haas, 2015): 

Entgegen der landläufigen Meinung funktioniert diese Kausalkette nicht in umgekehrter Reihenfolge. In vielen Studien konnte belegt werden, dass Erfolg allein nicht langfristig glücklich macht.

 

Die Lücke zwischen Wissen und Weg
Das Wissen, dass glückliche Mitarbeitende ein kritischer Erfolgsfaktor sind, ist vielleicht schon in den Chefetagen angekommen; Vielleicht auch der Wunsch in einer positiven Organisation zu arbeiten. Aber wie kommt man dorthin? Und das in Zeiten, wo es so viele andere Herausforderungen gibt? Glückliche Mitarbeitende sind nicht nur aus ethisch-moralischen Überlegungen anzustreben. Sie beeinflussen mittelbar und unmittelbar Aspekte wie Burn-out-Fälle und Krankenstand, Kommunikation und Zusammenarbeit, Innovation und Kreativität, Engagement und Sinnerleben, Arbeitsklima und Fluktuation sowie Kundenzufriedenheit und Customer Experience. In Abbildung 2 sind sechs Anzeichen aufgeführt, die darauf hindeuten, dass es sich lohnt hinzuschauen, wie glücklich Ihre Mitarbeitenden sind. Diese sechs Anzeichen sind natürlich nicht nur durch das Glück der Mitarbeitenden beeinflusst, aber es bildet diesbezüglich einen relevanten Hebel.

 

Ist Glück der richtige Begriff?

Vielleicht scheitert die Umsetzung in Organisationen aber zum Teil auch daran, wie der Begriff «glückliche Mitarbeitende» belegt ist. Im Zuge der amerikanischen Happiness-Bewegung, in denen High-fives, Witze und Dauerlächeln das Allheilmittel sind, könnte der Begriff missverstanden werden (die Corporate Rebels haben dazu einen schönen Blog geschrieben). Gemeint ist kein kurzfristiger, oberflächlicher und überschwänglicher Zustand. Auch ist nicht gemeint, dass niemand mehr über Probleme sprechen darf und alles Negative zwanghaft weggewischt wird. Wir von IN.flow verwenden daher den Begriff des «erfüllten Mitarbeitenden».  Erfüllt durch positive Emotionen (z.B. Dankbarkeit, Optimismus), Engagement, positive Beziehungen, Sinn und Zielerreichung. Dies sind die fünf Bereiche des Wohlbefindens nach Definition von Seligmann, einem Pionier und massgeblichen Treiber der positiven Psychologie. Es ist für Unternehmen anzustreben ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende in diesen fünf Bereichen entwickeln und ihr Potential entfalten können. Das „Center for Positive Organizations“ der Michigan Ross Universität hat den Begriff der „Positiven Organisation“ für Unternehmen geprägt, in denen Mitarbeitende aufblühen und aussergewöhnliche Ergebnisse erzielen. 

 

 

Und wie sieht der Weg zur positiven Organisation aus?

„Change the music, change the dance“ schreibt Robert Quinn (2015), Direktor des Center for Positive Organizations. Er beschreibt damit, dass es wenig Sinn ergibt direkt beim Verhalten der Mitarbeitenden anzusetzen, sondern dass es darum geht die Kultur, Werte und Führung eines Unternehmens zu verändern. Dadurch wird eine positive Organisation gestaltet. Im ersten Schritt liegt es also in der Verantwortung des Unternehmens und der Führungskräfte, die Basis für eine positive Organisation zu setzen. Im zweiten Schritt sind dann auch die Mitarbeitenden selbst in der Verantwortung, das geschaffene Umfeld zu nutzen und sich für ihr Glück oder Wohlbefinden einzusetzen.

 

Wie so oft ist auch der Weg zur positiven Organisation ein individuelles Unterfangen, für den es kein allgemeingültiges Rezeptbuch gibt. Es lassen sich jedoch Handlungsfelder identifizieren, bei denen man ansetzen kann. IN.flow hat dafür einen Service entwickelt, der sich Wert3 (Wert für Mitarbeitende, Wert für Kunden, Wert für das Unternehmen) nennt  und im Kern folgende fünf Handlungsfelder im Fokus hat:

 

1.    Erkunden der Ist-Situation  und  Entwicklung eines positiven Zukunftsbildes

Beim Erkunden der Ist-Situation geht es darum Treiber, Herausforderungen, Stärken, Ressourcen, Barrieren, Emotionen, Muster und Konflikte, die auf dem Weg zum Zukunftsbild wichtig sind, sichtbar zu machen und einen Umgang mit Ihnen zu finden. Ziel dieses Prozesses ist es Stärken zu stärken sowie Hürden und «Energiefresser» abzubauen. Ein starkes, positives Zukunftsbild kann eine ungeheure Zugkraft entwickeln. Die Entwicklung eines positiven Zukunftsbildes ist daher oft ein guter Startpunkt eines Prozesses zum positiven Unternehmen. Dieses Zukunftsbild sollte unter Beteiligung der Mitarbeitenden auf Führungsebene entwickelt werden. Ebenso ist die Arbeit an gemeinsamen Werten in diesem Handlungsfeld zentral. Insbesondere der Führungsebene kommt eine zentrale Funktion dabei zu, wenn es darum geht diese Werte zum Leben zu erwecken und kontinuierlich ins eigene Handeln zu integrieren. Die Maxime, dass alles notwendige Potential im Unternehmen vorhanden ist, um eine positive Organisation zu werden ist handlungsleitend.

 

2.    Gemeinsames Anliegen entdecken und Verbundenheit herstellen

Das Thema Sinn, Purpose oder WHY sind im Moment in aller Munde. Für ein positives Unternehmen ist die Entdeckung des gemeinsamen Anliegens zentral. Entgegen heute oft gelebter Praxis ist dies kein Prozess, der auf Führungsebene diskutiert wird und sich dann in einer Hochglanzbroschüre niederschlägt. Das gemeinsame Anliegen kann nicht entwickelt werden, sondern muss entdeckt werden. Dies wird möglich, indem alle Mitarbeitenden und Führungskräfte zu ihren persönlichen Motivatoren und Treibern interviewet und Gemeinsamkeiten zwischen allen Nennungen identifiziert werden. Das Anliegen muss authentisch und resonanzfähig sein, damit es nicht zu Zynismus führt und schädliche Auswirkungen für die Organisation hat. Ist das gemeinsame Anliegen gefunden, geht es darum einen kontinuierlichen Kommunikationsprozess darüber zu initiieren. Es ist Führungsaufgabe die Mitarbeitenden darin zu unterstützen ihre tagtägliche Arbeit mit dem geteilten Anliegen in Verbindung zu bringen, individuelle Stärken zu fördern, Möglichkeiten wahrzunehmen und Handlungsfreiräume zu öffnen.  

 

3.    Positive Energie freisetzen

Der Wandel zur positiven Organisation erfolgt vor allem über die Vielzahl an kleinen, positiven Handlungen. Wertschätzendes Feedback, aktives Zuhören, Dankbarkeit, Selbstfürsorge, Achtsamkeit oder Optimismus sind nur ein paar Beispiele. Werden diese positiven Aktivitäten von vielen Menschen in einem Unternehmen immer wieder ausgeführt, kann dies einen grossen Effekt haben. In diesem Handlungsfeld geht es darum Mitarbeitende dafür zu sensibilisieren, zu inspirieren und Impulse zu setzen. Ebenso ist die Identifikation und Vernetzung von „positive Energizers“ wichtig. Damit sind Mitarbeitende gemeint, die offen und optimistisch sind. Es liegt Ihnen in der Natur andere zu inspirieren und ihnen wird von Kollegen Vertrauen entgegengebracht. Daher entwickelt es oft grosse Effekte, wenn man diesen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt zusammen an Ideen zu arbeiten und sich aktiv zu engagieren,

 

4.    Co-Creation, Neues testen, Fehler machen und Lernen ermöglichen

Auf Basis der gefundenen Stärken und des gemeinsamen Anliegens werden Projekte ins Leben gerufen, welche Wert für die Mitarbeitenden oder Kunden kreieren, Die Entwicklung der Lösungen erfolgt dabei immer partizipativ unter Einbindung der Mitarbeitenden, Kunden und anderer relevanter Stakeholder. Es wird ein Umfeld geschaffen, in dem frühes Scheitern möglich ist und gemeinsam gelernt werden kann. Kontinuierliche Reflexion der Zusammenarbeit auf individueller, Team-, Projekt- und Führungsebene ist wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Handlungsfeld. Der Weg zum positiven Unternehmen erfordert auch individuelles Lernen auf allen Ebenen. Führungskräfte, Teams und Mitarbeitende werden durch geeignete Konzepte unterstützt neue mentale Landkarten zu entwickeln und werden durch positive Beispiele angeregt eigene Denk- und Verhaltensmuster zu überdenken.

 

5.    Offenen und authentischen Austausch stärken

Ein wesentlicher Weg hin zum positiven Unternehmen ist es, alle Organisationsmitglieder in verschiedenen Foren miteinander immer wieder ins Gespräch zu bringen, Reibung auszuhalten und Beziehungen zu stärken. Es ist von Bedeutung Freude und Frustrationen Raum zu geben, Erfolge zu feiern sowie Handlungsfelder und Barrieren anzugehen. Kollegiale Beratung und Supervision, Dialogveranstaltungen sowie Austausch von Geschichten über Erfolge und Scheitern, sind zentraler Bestandteil dieses Handlungsfeldes.

 

Fazit

Der Weg zu glücklichen Mitarbeitenden ist kein „6-Schritte-Plan“ und auch kein Unterfangen, dass nach einem Jahr abgeschlossen ist. Der Prozess zu positiven, erfolgreichen Organisation muss individuell gestaltet und begleitet werden. Es ist ein Weg, der sich lohnt: für das Unternehmen, für die Kunden und für jeden Menschen, der das Glück hat zu erleben, wie erfüllend und lebensbereichernd es ist, in solch einem Umfeld als Mitarbeitender oder Führungskraft zu arbeiten. Abschliessend bleibt zu sagen, dass Organisationen nicht statisch sind. Sie entwickeln sich kontinuierlich. Entweder negativ oder positiv. Es stellt sich die Frage: In welche Richtung bewegt sich ihr Unternehmen im Moment? 

 

Und was denken Sie zum Thema glückliche oder erfüllte Mitarbeitende? Ist das bei Ihnen schon Realität? Streben Sie das an? Sehen Sie alles ganz anders? 

 

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

 

Herzlich, 

 

Jennifer, Mirjam und Christian

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Kommentare: 1
  • #1

    Markus Mattern (Freitag, 07 September 2018 18:43)

    Hallo, ein sehr schöner und interessanter Artikel der es gut auf den Punkt bringt. Gerade euer Fazit das es nicht den einen Weg gibt sondern man immer sehr individuell schauen muss. Aber eure 6 Punkte haben sicher eine entscheidenden Einfluss auf den Erfolg.