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So gelingt der Weg zur zukunftsgerichteten Führung – Unsere 6 Top Tipps für ein Führungskräfte-Train-the-Facilitator-Modul

 

In diesem Blogbeitrag erfahren Sie:

...was Facilitation ist

...was ein Train-the-Facilitator-Modul ist
...6 Top Tipps für die Konzeption eines Train-the-Facilitator-Moduls.

 

IN.flow und nXstep sind gerade als Facilitatoren von einem 10-tägigen Train-the-Facilitator Modul bei einem DAX-Konzern zurückgekommen. In dem Führungskräfte-Modul ging es um die Einführung einer neuen Führungskultur und die Vorbereitung der Führungskräfte auf das Führen in komplexen und dynamischen Zeiten. Jetzt wo alles noch frisch ist, wollten wir dies gern zum Anlass nehmen, unsere 6 Top Tipps für Führungskräfte-Train-the-Facilitator zu teilen.

 

Aber bevor wir zu den Tipps kommen, fangen wir vorne an:

 

 

Was ist ein Facilitator?

Ein Facilitator ist ein Prozessbegleiter. Er unterstützt aus einer neutralen Position ein Team oder eine Gruppe von Menschen dabei, zu einem Ziel zu gelangen ohne inhaltlich zu beraten. Er übernimmt Verantwortung für den Prozess und die Methoden, das Team oder Gruppe übernimmt Verantwortung für die Inhalte. Metaphorisch gesprochen ist der Facilitator nicht derjenige, der die Fische fängt. Er zeigt den Fischern wie man ein Netz knüpft, wie man das Boot steuert und unterstützt sie in stürmischen Gefilden. Aufs Meer und Fische fangen dürfen die Fischer selbst.

 

Was ist ein Führungskräfte Train-the-Facilitator-Modul?

Nehmen wir an, Ihr Unternehmen umfasst etwa 5000 Personen und etwa 600 Führungskräfte. Jetzt können Sie entweder Experten beauftragen rund 40 Trainings mit je 15 Führungskräften durchzuführen, oder sie beauftragen die Experten ein Train-the-Facilitator-Modul durchzuführen. In dem Train-the-Facilitator-Modul werden z.B. 10 Ihrer Führungskräfte zu Facilitatoren ausgebildet und sind anschliessend in der Lage, selbst andere Führungskräfte auszubilden. Wenn Ihre neu ausgebildeten Facilitatoren jetzt in 2er Teams arbeiten, dann würde jedes Team etwa 8 Trainings durchführen, damit alle Ihre Führungskräfte geschult sind.

 

Vorteile dieser Vorgehensweise sind:

·       Facilitator-Ausbildung als Chance zur Personalentwicklung für Ihre Führungskräfte

·       Erhöhung der Glaubwürdigkeit / Akzeptanz des Führungskräfte-Ausbildungsprogramms, da sie durch eigene Führungskräfte-Facilitatoren getragen wird (insbesondere, wenn die internen Facilitatoren Führungskräfte auf oberster Ebene sind)

·       Nutzung interner Kompetenzen / Ressourcen 

·       Nachhaltigkeit, wenn die Experten gehen, ist die Expertise in Ihrem Unternehmen und neue Führungskräfte können auch in Zukunft geschult werden   

Unsere 6 Top Tipps für ein Führungskräfte-Train-the-Facilitator-Modul

Die Inhalte eines Führungskräfte-Trainings werden auf die spezifische Ausgangslage und Ziele eines Unternehmens angepasst. Wir haben bei unseren Top 6 daher bewusst auf prozessuale Aspekte fokussiert, die unabhängig von den Inhalten Gültigkeit haben.

 

1.       Partizipative Entwicklung des zu trainierenden SOLL- bzw. Kompetenzprofils

Effektive Führungskräftetrainings sind keine one-size-fits-all Lösung. Basierend auf der individuellen Ausgangslage und den strategischen Zielen eines Unternehmens sollten die Inhalte und das zu schulende Kompetenzprofil entwickelt werden. Dabei sollten sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende (z.B. in Form von Interviews, Fokusgruppen, agilen Jam Sessions) eingebunden werden. Erst dadurch entsteht ein klares Bild davon, welche Kompetenzen eine Führungskraft im spezifischen Unternehmen benötigt, um den Herausforderungen gerecht werden zu können und die Mitarbeitenden möglich unterstützen zu können. Wird dieses Kompetenzprofil gemeinsam erarbeitet, wird die Ausbildung mit höherer Wahrscheinlichkeit als sinnhaft und dringlich akzeptiert und es kann mit höherer Lernmotivation gerechnet werden. Partizipativ werden das SOLL-Profil bzw. der SOLL-Zustand definiert. Über welche didaktischen Methoden und anhand welcher Modelle die Inhalte dann transportiert werden, wird selbstverständlich von Experten festgelegt.

 

2.       Facilitation als nachhaltige Form des Erwachsenenlernens
Im Gegensatz zur Schulung, in welchem Inhalte via Vortrag oder Gruppenarbeit vermittelt werden, hat es sich in der Erwachsenenbildung als vorteilhaft erwiesen anders vorzugehen. Facilitatoren stärken den Dialog in der Gruppe, sodass die teilnehmenden Führungskräfte voneinander lernen. Sie bleiben neutral, das heisst, sie bewerten Beiträge der Teilnehmenden nicht als richtig oder falsch, sondern fördern kritischen Austausch und offene Reflektion in der Gruppe. Facilitatoren bringen wenige Inhalte, sondern bieten Möglichkeiten spielerisch über Aktivitäten ins Erleben zu kommen und selbst Lernerfahrungen durch Ausprobieren zu sammeln. Sie können inhaltliche Angebote in Form von Modellen und Methoden machen, überlassen es aber den Teilnehmenden eigene Schlüsse daraus zu ziehen und unterstützen die Gruppe Möglichkeiten für den Übertrag in den eigenen Arbeitsalltag zu reflektieren.

 

3.       Gute Vor-Auswahl der potentiellen Facilitatoren und Freiwilligkeit
Die International Association of Facilitators (IAF) haben die Kernkompetenzen eines Facilitator definiert (mehr dazu
hier). In der Vorauswahl sollten Führungskräfte gefragt werden, welche diese Kernkompetenzen im Arbeitsalltag gezeigt haben oder über eine entsprechende Basisveranlagung verfügen, auf der man aufbauen kann. Für die Vorbildwirkung und Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Führungskräfte-Ausbildung ist es wünschenswert, dass auch Führungskräfte der obersten Ebenen zum internen Facilitator geschult werden. Oberste Prämisse sollte jedoch stets die Freiwilligkeit der Teilnahme an dem Train-the-Facilitator-Modul sein.

 

4.       Genügend Zeit und aktives Anwenden

Für das Train-the-Facilitator-Modul ist genügend Zeit einzuplanen. Der potentielle Facilitator sollte zunächst einmal die Führungskräfte-Ausbildung als Teilnehmender erleben und dadurch selbst einen Eindruck erhalten, was das Training in ihm / ihr auslöst und wie das Training aus Teilnehmenden Sicht abläuft. Im Anschluss daran, geht man mit Ihnen das Training aus der Vogelperspektive durch, erklärt das Ziel, den Ablauf, mögliche Teilnehmenden-Reaktionen und Tipps zum Umgang damit. In einem nächsten Schritt werden die Haltung und die Kompetenzen eines Facilitators erläutert und trainiert. Insbesondere die Haltung des Facilitators zu erlernen benötigt Zeit und Raum zum Ausprobieren, sowie Feedback. Im Rahmen des Train-the-Facilitator-Moduls ist daher genügend Zeit einzuplanen, in welcher die angehenden Facilitatoren selbst einzelne Abschnitte der Ausbildung ausführen und Feedback erhalten. Es sind dabei mehrere Wiederholungen (mit verschiedenen Abschnitten der Ausbildung) vorzusehen, damit das erhaltene Feedback umgesetzt und die neue Haltung verinnerlicht werden kann.

 

5.       Einzelcoaching am Abend und nach Abschluss

Die teilnehmenden Facilitatoren sollten am Abend des Trainings die Möglichkeit haben Einzelcoachings mit den Experten Facilitatoren zu buchen. In diesen können sie unterstützt werden individuelle Herausforderungen in der Rolle des Facilitators zu lösen und ihren persönlich passenden Stil zu finden. Im Rahmen von Führungskräfte-Train-the-Facilitator-Modulen hat es sich dabei als grösste Herausforderung erwiesen von der Rolle der Führungskraft, die Entscheidungen trifft, schult, Vorträge hält und von der oft erwartet wird inhaltlich Stellung zu beziehen in die Rolle des neutralen Facilitators zu wechseln. Das persönliche Gespräch im Rahmen der Einzelcoachings ermöglicht es den Experten Facilitatoren darüber hinaus mit jedem Teilnehmenden zu besprechen, welche Fähigkeiten derjenige zu verbessern wünscht und kann dies gezielt beobachten und Feedback geben. Insbesondere in der ersten Zeit nach dem Train-the-Facilitator-Modul, wenn die ersten Führungskräfte-Ausbildungen anstehen oder geleitet wurden, sollten die neuen Facilitatoren die Möglichkeit haben weitere Einzelcoachings zu beziehen, um aufgetretene Herausforderungen zu besprechen.

 

6.       Einbettung in einen professionell begleiteten Transformationsprozess

Wenn man die Führungskultur eines Unternehmens verändern möchte, dann sind Führungskräfte-Trainings ein wichtiges Puzzleteil. Aber eben auch nur ein Puzzleteil. Insbesondere die Veränderung von Kulturen benötigt einen langen Atem und einen professionell begleiteten Transformationsprozess. Dieser Prozess muss von oberster Führungsebene getragen werden und die Mitarbeitenden auf allen Ebenen müssen abgeholt, einbezogen, vorbereitet und begleitet werden (mehr dazu lesen Sie auch hier). Im Hinblick auf die Führungskräfte-Ausbildung ist im Besonderen darauf zu achten, wie die dort erlernten Führungs- und Verhaltensweisen im Alltag und trotz allfälliger Hürden verankert werden können. Wenn es heisst «training meets reality» sollten begleitende Massnahmen (z.B. Coachings, Kollegiale Beratung und Peer Support, Auffrischungsworkshops, Führungskräfte-Meetings, Bilaterale Entwicklungsgespräche mit der eigenen Führungskraft) im Anschluss an das Training aufgegleist sein, welche die Führungskräfte beim Übertrag in die Praxis nachhaltig unterstützt. Andernfalls besteht ein hohes Risiko, dass der Trainingseffekt verpufft und das Unternehmen viel Geld verloren hat.

Die aufgeführten Tipps gelten natürlich auch für andere Train-the-Facilitator Module auf Führungs- oder auch Mitarbeitenden-Ebene, z.B. zu Themen wie Umgang mit Veränderungsprozessen, Agile Arbeitsweisen, Innovationsfreundliche Formen der Zusammenarbeit oder Stärkung der Servicekultur und Customer Centricity.

 

«6 Top Tipps», der Titel sagt es schon: Die Liste ist natürlich nicht abschliessend und wir freuen uns über Ihre Tipps, Erfahrungen oder Fragen in den Kommentaren zu diesem Artikel. Gerne können Sie auch Kontakt zu uns aufnehmen über hallo@in-flow.org und c.herbst@nxstep.ch.

 

Herzlichst

  

 

Ihre Jennifer Konkol von IN.flow und Ihr Christian Herbst von nXstep

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